Androgenetische Alopezie (androgenetischer Haarausfall)

Auch bekannt als: Alopecia androgenetica, Alopecia seborrhoica, Alopecia oleosa, Calvities hippocratica, androgenetischer Haarausfall

ICD-Code: L64.-

Dichtes, gepflegtes Haar steht in unserer Gesellschaft für Gesundheit und Attraktivität. Haarausfall ist deshalb für die meisten Frauen und Männer ein großes Problem, und man will den Haarverlust unbedingt stoppen. Ist das möglich und was hilft gegen Haarausfall?

In unserer digitalen Hautarztpraxis bei dermanostic behandeln unsere Hautärzt*innen täglich viele Patient*innen mit einer androgenetischen Alopezie per App.

5 Fakten über Androgenetische Alopezie

  • Kann über die Gene weitervererbt werden
  • Kommt sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor
  • Bei Frauen zeigt sich meist eine mildere Form
  • Auch andere behaarte Stellen können neben dem Kopfhaar betroffen sein
  • Ursache ist eine Überempfindlichkeit zum Hormon Dihydrotestosteron

Definition

Was ist eine androgenetische Alopezie?

Frau mit roten Haaren hält erschrocken einen Kamm mit einem Haarbüschel in der Hand

Haarverlust ist das Kennzeichen einer Alopezie, der unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann und entsprechend therapiert wird. Betroffen können nicht nur Männer, sondern auch Frauen sein. Da es eine psychisch belastende Erkrankung ist, sollte frühzeitig mit einer Abklärung und anschließenden Behandlung begonnen werden.

Unter androgenetischer Alopezie (auch unter “androgene Alopezie” bekannt) versteht man den anlagegebedingten Haarausfall. Es handelt sich, sowohl beim Mann als auch bei der Frau, um die am häufigsten auftretende Form des Haarausfalles. Von allen Ursachen für den Haarausfall bei Männern macht die androgenetische Alopezie sogar 95 Prozent aller Alopezien aus. Interessanterweise kommt er genauso oft als Ursache für den Haarausfall bei Frauen in Betracht, verläuft jedoch in der Regel milder und tritt meist verzögert auf.

Die verschiedenen Arten des Haarausfalls sind auf unserem Blog oder unserem Instagram-Profil nachzulesen.

Ursache

Was sind Gründe für die androgenetische Alopezie?

Bei der androgenetischen Alopezie liegt eine Überempfindlichkeit zum Dihydrotestosteron (DHT) vor. DHT ist ein männliches Geschlechtshormon, das sowohl beim Mann als auch bei der Frau gebildet wird. Es entsteht aus dem ebenfalls männlichen Geschlechtshormon Testosteron und ist biologisch hoch aktiv. Durch die Überempfindlichkeit verkürzt sich die Wachstumsdauer der Haare, wodurch ihre Lebensdauer sinkt. Sie werden immer dünner und schließlich fallen sie schneller aus. Gerne können unsere Hautärzt*innen Dir weiterhelfen, ohne Termin per App.

Wodurch besteht diese Überempfindlichkeit?
Wie im Namen der Erkrankung erhalten, ist diese „anlagebedingt“, also „androgenetisch“. Es bedeutet, dass die vererbten Gene ursächlich sein können. Die Vererbung der Gene ist variabel. Bei der Weitergabe von Genen kommen immer verschiedene zusammen, die letztendlich für die androgenetische Alopezie verantwortlich sind.

Symptome

Wie äußert sich die androgenetische Alopezie?

Beim Mann?

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Die androgenetische Alopezie zeigt sich durch die sogenannte M-Form: Zuerst lichtet sich das Haar an Stirn und Schläfen, dann bilden sich Geheimratsecken und schließlich kommt die sogenannte „Stirnglatze“ hinzu. Damit hat sich die M-Form gebildet.

Im späteren Verlauf wird das Haar am Hinterkopf immer dünner, wodurch sich eine Tonsur bildet. Mit Voranschreiten der Erkrankung vergrößern sich die kahlen Stellen, bis nur noch Haare im Hinterkopf-Bereich und an den Schläfen in Form eines Haarkranzes vorhanden sind.

Die Entstehung von Geheimratsecken muss nicht den kompletten Haarverlust bedeuten. Es lässt sich nicht vorhersagen, ob sich nach den Geheimratsecken noch mehr kahle Stellen bilden. Es gibt Männer, die bereits mit Anfang 20 das komplette Haar verlieren und 60-Jährige Männer, die immer noch „nur“ Geheimratsecken haben. Generell erleiden jedoch rund 80% der Männer über dem 70. Lebensjahr einen sichtbaren Haarverlust.

Wann kann es auch bei Frauen zum androgenetischen Haarausfall kommen?

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Bei Frauen sieht die Erkrankung etwas anders aus. Ca. 50% der Frauen, die über 50 Jahre alt sind, erleiden einen minimalen Haarverlust. Seltener sind jüngere Frauen betroffen. Bei der androgenetischen Alopezie können Frauen zudem verstärkt eine Behaarung der Oberlippe, des Kinns, des Bauchnabels, der Brustwarzen, des Schambereichs und der Oberschenkel entwickeln. Außerdem kann zusätzlich eine Akne auftreten.

Der anlagebedingte Haarausfall bei der Frau zeigt sich meist mit einer starken Haarausdünnung im Bereich des Scheitels und stärkerem allgemeinen Haarausfall. Manche Frauen können sogar ein ähnliches M-Muster wie Männer entwickeln, dies passiert allerdings sehr selten.

Wende Dich gerne an unsere Hautärzt*innen in unserer dermanostic App, falls Du an einem der oben genannten Symptome leidest, hier erhältst Du einen individuellen Pflegeplan mit Empfehlungen für Deine Haut.

Komplikationen

Ist androgenetische Alopezie gefährlich?

An sich ist der genetisch vererbte Haarausfall für den Patienten nicht gefährlich und kann seinen gesundheitlichen Zustand nicht verschlechtern. Jedoch ist nicht außen vor zu lassen, dass diese Krankheit zu einer großen psychischen Belastung werden kann, insbesondere bei betroffenen Frauen.

Therapie

Was tun gegen androgenetische Alopezie?

Therapie bei Frauen: Minoxidil und dessen Nebenwirkungen

Das Medikament Minoxidil ist insbesondere bei Frauen die Therapie der ersten Wahl. Als Lösung oder Schaum wird es auf die Kopfhaut aufgetragen und kann den anlagebedingten Haarausfall stoppen und dafür sorgen, dass kräftigeres Haar nachwächst. Wann hört androgener Haarausfall auf? Die Wirkung der Therapie äußert sich besonders stark an den kahlen Stellen, zeigt sich jedoch erst nach einer längeren Anwendungsdauer.

Der Wirkmechanismus ist bisher noch unklar; es wird vermutet, dass die Durchblutung gefördert wird, was sich positiv auf das Haarwachstum auswirkt. Ganz wichtig: Die Dosierung ist sehr variabel und obwohl das Medikament auch rezeptfrei erhältlich ist, sollte es niemals ohne eine ärztliche Untersuchung angewendet werden.

Denn auch unter der Therapie mit Minoxidil sind Nebenwirkungen bekannt. Eine unerwünschte Nebenwirkung ist der zu Beginn der Therapie auftretende Paradox-Haarausfall. Das heißt, dass es zu Beginn der Therapie zu einer Verstärkung des Haarausfalles kommen kann.

Die geschieht dadurch, dass zunächst die schwachen Haare ausfallen und es Zeit braucht, bis neue stärkere Haare nachwachsen. Erste Ergebnisse sind nach ca. vier bis sechs Monaten sichtbar, teilweise braucht es auch neun Monate, bis sich der Therapieerfolg nachvollziehen lässt. Damit ist Geduld gefragt.

Eine weitere Nebenwirkung sind Rötungen und Schuppungen, oder eine Kontaktallergie der Kopfhaut. Diese Nebenwirkungen sind äußerst selten, wenn man die Dosierung des Arztes oder der Ärztin einhält. Bei der Anwendung ist auch wichtig, dass das Mittel etwa zwei Stunden vor der Nachtruhe aufgetragen wird, um damit den Kontakt zum Kopfkissen zu vermeiden.

Therapie bei Männern: Finasterid und dessen Nebenwirkungen

Finasterid ist eine ausschließlich für den Mann vorgesehene Therapiemöglichkeit, da sie in den Hormonhaushalt des Mannes eingreift. Sie vermindert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, sodass weniger davon vorhanden ist. Das Haar wird somit nicht mehr vom Dihydrotestosteron „gestört“ und kann weiterwachsen. Allerdings braucht auch hier die Therapie Zeit, bis sich erste Ergebnisse nachvollziehen lassen.

Besonders wichtig ist die richtige Dosierung. Denn das Eingreifen in den männlichen Hormonhaushalt kann sich auch noch anders auswirken. So können Impotenz, Libidoverlust oder sogenannte „Männerbrüste“ auftreten.

Bei Frau und Mann: Haarverpflanzung (Haartransplantation)

Bei der Haarverpflanzung wird Eigenhaar von ausreichend behaarten Arealen entnommen und an der kahlen Stelle verpflanzt. Bei dem Eingriff entstehen kleine Narben, die jedoch von den Haaren überdeckt werden. Haartransplantationen können auch an den Augenbrauen, im Schambereich oder im Bart durchgeführt werden. Die meisten Erfahrungen sind allerdings am Kopfhaar gesammelt worden. Hierfür empfiehlt sich eine ausführliche Aufklärung beim Spezialisten.

Falls Du noch weitere Fragen rund um das Thema Haare und speziell Haarausfall hast, empfehlen wir den Haarpflege-Livestream der Dermanostic Gründer Dr. med. Alice Martin und Dr. med. Estefanìa Lang.

Jede Therapie ist individuell, unsere Hautärzt*innen erstellen Dir als Patient*in eine entsprechende Therapie. Hier erfährst Du, wie die Beratung per App funktioniert.

Wirkstoffe

Was hilft gegen androgenetische Alopezie?

Gegen die androgenetische Alopezie werden unter anderem folgende Wirkstoffe eingesetzt:

Dr. med. Alice Martin

Verfasst von Dr. med. Alice Martin

Dr. med. Alice Martin ist Hautärztin in Weiterbildung und Mitgründerin der Online-Hautarztpraxis dermanostic. Sie ist leidenschaftliche Vermittlerin für dermatologische Themen und deshalb bei dermanostic für die Patientenkommunikation zuständig. 

Literatur und Einzelnachweise

  1. Altmeyer, P:
    Alopezie androgenetische (15. Februar 2021) | Abgerufen am 07. April 2021 von www.altmeyers.org
  2. Offizielles Organ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie:
    Auszüge aus: Evidenzbasierte S3-Leitlinie für die Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Frauen und Männer (2021) | Abgerufen am 05. März 2021 von www.medizinfo.de