Herpes labialis (Lippenherpes)

Online-Hautarzt: Ursache, Symptome und Behandlung

Die meisten Menschen kennen die schmerzenden roten Bläschen auf den Lippen. Die Herpesinfektion an den Lippen kann eine belastende Erkrankung sein. Es handelt sich um eine schmerzhafte Virusinfektion, die im Laufe des Lebens immer wieder auftreten kann. Wir erklären Ihnen, was diese Erkrankung bedeutet, wie sie entsteht und was man dagegen tun kann.

Dermanostic Hautlexikon | Lippenherpes (Herpes labialis)

Definition

Der Lippenherpes oder medizinischer Herpes labialis genannt, wird durch das Herpes-simpex-Virus Typ1 (HSV Typ 1) verursacht. In der Bevölkerung herrscht eine hohe Durchseuchung, es tragen bis zu 90% der Erwachsenen Antikörper gegen den HSV Typ 1 im Blut. Sie sind also bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen.
Die Erstinfektion mit den Viren geschieht meist unbemerkt und häufig vor dem sechsten Lebensjahr. Nach der Ansteckung wandert das Virus entlang der Nervenbahn in das Rückenmark. Dort angekommen geht das Virus in den Ruhemodus. Sobald das Immunsystem geschwächt ist, wird das Virus aktiviert. Viele Virusträger entwickeln ihr ganzes Leben lang keine Symptome. Personen, deren körpereigenes Abwehrsystem vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt ist, sind anfälliger für eine Infektion. Betroffen sind Personen, bei denen das Immunsystem geschwächt ist, ausgelöst durch z.B. chronische Infektionen (HIV-Infektion), Operationen, Krebserkrankungen oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.

Das verwandte Herpes-simplex-Virus Typ 2 betrifft hingegen die Geschlechtsteile und verursacht das sogenannte Herpes genitalis. Auch dieser Virus-Typ kann durch Kontakt mit den Genitalien in den Mund-Lippenbereich verschleppt werden und dort zu schmerzhaften Bläschen führen.

Ursachen

Da die Lippenhaut sehr dünn und empfindlich ist, ist sie auch sehr anfällig für Infektionen. Dementsprechend leicht haben es die Herpes-Viren sich auf unterschiedlicher Art und Weise zu verbreiten. Die Infektion wird als Schmierinfektion übertragen. Dabei kann der infektiöse Inhalt der Bläschen durch direkten oder indirekten Kontakt auf andere Personen übertragen werden.
Dies geschieht durch gemeinsame Nutzung von Besteck und Gläsern aber auch direkte Haut- und Schleimhautkontakte beim Küssen, bei Berührung der Bläschen oder durch den Geschlechtsverkehr. Solange die Bläschen vorhanden sind, ist eine Ansteckung möglich.
Eine spätere Reaktivierung der ruhenden Herpes-Viren wird durch die Störung der körpereigenen Immunabwehr hervorgerufen. Typische Auslöser für das Auftreten der Bläschen sind Infektionskrankheiten und großer körperlicher oder psychische Stress. Auch die Sonne kann ein Auslöser sein, da die Sonnenstrahlen zur Unterdrückung der Immunzellen an der Haut führen. Andere Faktoren wie ein großer Ekel oder hormonelle Umstellungen spielen ebenfalls eine Rolle.

Zwischen der Erstinfektion und der Reaktivierung können viele Jahre vergehen. Die reaktiven Viren wandern entlang der Nervenbahnen zurück in Richtung Hautoberfläche. Erst dann beginnt die Bläschenbildung.

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Symptome

Der Lippenherpes macht sich durch ein leichtes Brennen, eine erhöhte Empfindlichkeit und ein Spannungsgefühl oder Kribbeln bemerkbar. Diese Symptome können auch schon vor der Bläschenentstehung auftreten und über Stunden oder einem ganzen Tag lang anhalten.

Um ein Stoppen der viralen Infektion zu ermöglichen, sollten antivirale Mittel als Gel oder Creme an der betroffenen Stelle aufgetragen werden. Allerdings bemerkt man nicht immer unbedingt einen beginnenden Lippenherpes - dieser kann auch ohne Vorwarnung über Nacht entstehen. Häufig ist beim ersten Auftreten der juckenden Bläschen eine Schwellung der benachbarten Lymphknoten zu tasten. Die Bläschen füllen sich rasch mit klarer Flüssigkeit und können nach wenigen Tagen aufplatzen. Dadurch entsteht eine empfindlich kleine Wunde. Dies Bläschen verkrustet nach einiger Zeit gelblich und heilen anschließend nach acht bis zehn Tagen ab. Durch das Aufplatzen der Bläschen können sich andere Personen an der austretenden Flüssigkeit mit dem Virus infizieren.

In vielen Fällen geht die Virusinfektion mit einem Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit einher. Anschließend können sich die Bläschen auf den Wangen, dem Naseneingang, den Ohrläppchen und im Augenbereich ausbreiten. Außerdem kann auch der Lippenherpes in Form einer Gingivostomatitis herpatica (Mundfäule) in Erscheinung treten. Die Symptome bei diesem Fall sind Anzeichen wie geschwürartig zerfallende Bläschen im Mund, die stark schmerzen und hohes Fieber mit sich bringen.

Der Hautarzt kann mit seinem geschulten Auge die blasenartige Hautveränderung mithilfe der Schilderung des Patienten direkt erkennen. Dabei sind allgemeinmedizinische Praxen, Praxen für Kinderheilkunde und oder Haut- und Geschlechtskrankheiten die erste Anlaufstelle. Wenn Unklarheiten bestehen, kann der Bläscheninhalt durch einen Abstrich von der Haut und/oder Schleimhaut untersucht werden.

Therapie

Die Krankheitsdauer des Lippenherpes kann ohne Therapie bis zu zwei Wochen andauern. Es ist möglich die Krankheitsdauer mit einer geeigneten Therapie einzudämmen. Der schnellere Heilungsverlauf lindert nicht nur Symptome, sondern minimiert auch das Risiko für Komplikationen und die Ansteckungsgefahr für andere Personen.
Dabei helfen Salben, die Zinksulfat enthalten: diese bewirken, dass die Bläschen schneller austrocknen und die Heilung der Wunde gefördert wird.

Die Therapie einer oralen Einnahme von antiviralen Mitteln ist nur dann sinnvoll, wenn ein schwerer Verlauf des Lippenvirus festgestellt wird.

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Autor: Dr. med. Alice Martin