Angioödem

Online-Hautarzt: Ursache, Aussehen und Behandlung

Das Angioödem ist eine Schwellung (Ödem) der Unterhaut (Subkutis), die aus unterschiedlichen Gründen entstehen kann. Begleitend zu der Schwellung können eine Nesselsucht und Juckreiz auftreten. Da die Ursachen so vielfältig sind, sind es auch die Therapien. Erfahren Sie hier mehr.

Definition

Was versteht man unter einem Angioödem?

Je nach Ursache kann das Angioödem an unterschiedlichen Lokalisationen und in unterschiedlichen Lebensphasen entstehen. Bestimmte Untersuchungen können in der Regel dem Patienten helfen, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Doch was ist eine Erkrankung der Haut eigentlich? Das Angioödem (auch Quincke-Ödem) beschreibt eine plötzlich auftretende, selten juckende, schmerzlose Schwellung der Haut oder Schleimhaut. Man unterscheidet beim Patienten zwischen einer allergischen und einer nicht allergischen Form.

Die Schwellung entsteht durch eine erhöhte Durchlässigkeit (Permeabilität) der Blutgefäße, dadurch sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an. Diese erhöhte Gefäßdurchlässigkeit wird durch die Botenstoffe Histamin und Bradykinin vermittelt, welche auf Gefäße wirken.

Das allergische Angioödem wird durch Histamin getriggert und tritt oft mit einer Nesselsucht/ Urtikaria (juckende rote Quaddeln) auf. Dies stellt in Deutschland die häufigste Form dar.

Es existieren auch Angioödeme ohne Urtikaria, dabei entwickelt sich das Angioödem langsamer. Hierzu gehören die nicht-allergischen Angioödeme (ca. 1:50.000 Menschen sind hiervon betroffen). Dabei wird wiederum in ein angeborenes bzw. hereditäres Angioödem (HAE) mit und ohne C1-INH-Mangel sowie in ein erworbenes Angioödem unterschieden. Schließlich gibt es noch das medikamenteninduzierte Angioödem, welches beispielsweise oft durch die Einnahme von ACE-Hemmern aus Blutdruckmedikamenten zustande kommt.

Ursache

Was bedingt ein Angioödem?

Die Ursachen für ein Angioödem sind vielfältig. Geht das Angioödem mit einer Urtikaria (Nesselsucht) einher, ist eine allergische Reaktion naheliegend. Das Gewebshormon Histamin, welches an allergischen Reaktionen beteiligt ist, erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße. Dadurch tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe über und verursacht im Verlauf eine Schwellung.

Tritt das Angioödem ohne eine Nesselsucht auf, ist es häufig nicht allergisch bedingt. Es liegt eine Störung eines bestimmten Botenstoffes vor (Bradykinin), der ebenfalls die Durchlässigkeit der Blutgefäße reguliert.

Ist das Angioödem erblich bedingt (Hereditäres Angioödem), ist das Protein namens C1-Esterase-Inhibor (C1-INH) entweder vermindert oder defekt, wodurch Bradykinin völlig ungebremst wirkt. Mögliche Ursachen können auch Autoimmunreaktionen (der Körper arbeitet gegen sich selbst) sein, was einem erworbenen Angioödem gleichkäme.

Medikamente, wie die oben genannten ACE-Hemmer (Blutdruckmedikamente), können Bradykinin ebenfalls aktivieren und eine Ursache für das Angioödem sein.

Da das Angioödem aus unterschiedlichen Gründen entstehen kann, ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt wichtig für die Ursachenfindung.

Symptome

Wie erkenne ich ein Angioödem?

Typische Symptome des Angioödems sind plötzliche Schwellungen, in der Regel an den Augenlidern, Lippen, am Kinn, an der Wange oder an den Genitalien. Allergische Formen gehen mit einer Nesselsucht und Juckreiz einher. Bei HAE-Patienten können außerdem unspezifische Symptome im Magen-Darm-Trakt (z.B. Bauchschmerzen oder Durchfall, da auch innere Organe anschwellen können) sowie wiederholte Angioödem-Attacken auftreten. Sind auch die Atemwege von den Schwellungen betroffen, kann es schlimmstenfalls zu Erstickungsanfällen oder zum Erstickungstod kommen.

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Diagnose

Woran erkennt der Arzt ein Angioödem?

Die Diagnose ist meist eine sogenannte Blickdiagnose. Wesentlich ist eine ausführliche Befragung, was Auftreten, Dauer, Lokalisation und Ermittlung möglicher Risikofaktoren (z.B. Medikamente) des Angioödems angeht. Gegebenenfalls können Blutuntersuchungen durch Messung des C1-INH oder Allergietests zur weiteren Abklärung der Ursache dienen.

Therapie

Wie sieht die Behandlung des Quincke-Ödems aus?

Die Therapie ist individuell und auf die Ursache der Erkrankung zugeschnitten:

  • Liegt bei einem HAE-Patienten ein C1-Esterase-Inihibitor (C1-INH) - Mangel vor, besteht die Akuttherapie in der Gabe von C1-Esterase-Inhibitor-Konzentrat oder Bradykiningegenspieler (Icatibant).
  • Ist das Angioödem medikamenteninduziert, muss zusammen mit dem Arzt im Verlauf eine medikamentöse Alternative gefunden werden.
  • Bei einem allergisch bedingten Angioödem wird eine Therapie mit Kortison und einem Histaminblocker eingeleitet. Sind die Atemwege betroffen, kann in Notfallsituationen im Rahmen der Akuttherapie zusätzlich Adrenalin verabreicht werden. Diese Maßnahmen sind bei nicht-allergisch bedingten Ödemen leider nicht wirksam.

Da die Ursachen so verschieden sein können, wird auch die Therapie entsprechend der Ursache angepasst.

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Die Bilder in der unten ausgeführten Slideshow wurden von der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen zur Verfügung gestellt.

Verfasst von Dr. med. Alice Martin

Dr. med. Alice Martin ist Hautärztin in Weiterbildung und verantwortlich für die fachliche Redaktion bei dermanostic. Sie übernimmt die öffentliche Patientenkommunikation und schreibt medizinische Artikel.

Literatur und Einzelnachweise

  • Altmeyer, P. (2021, Februar 15). Angioödem (Übersicht). Abgerufen 06. April 2021, von https://www.altmeyers.org
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (2020), Hereditäres Angioödem durch C1-Inhibitor-Mangel. Abgerufen 07. April 2021, von https://www.awmf.org
  • Universitätsklinikum Ulm (2021), Angioödem. Abgerufen 01. März 2021, von https://www.uniklinik-ulm.de