Chronisch venöse Insuffizienz

Auch bekannt als: chronisch venöses Stauungssyndrom; Chronic Venous Insufficiency; CVI; Krampfaderbildung; Chronische Veneninsuffizienz; Veneninsuffizienz chronische der Beine; Venous insufficiency

ICD-Code: I87.2-

Schwere Beine und sichtbare Gefäße an den Unterschenkeln sind häufige Symptome der chronisch venösen Insuffizienz – auch Venenschwäche genannt. Besonders häufig sind Frauen im höheren Lebensalter betroffen. Laut dem Robert-Koch-Institut sind ca. 90% der deutschen Bevölkerung von varikösen Beinvenen betroffen. Eine chronisch-venöse-Insuffizienz haben ca. 5-10% der Allgemeinbevölkerung. Wir erklären im Artikel, was diese Erkrankung bedeutet, wie sie entsteht und was man dagegen tun kann. In unserer digitalen Hautarztpraxis bei dermanostic behandeln unsere Hautärzt*innen täglich viele Patient*innen mit einer chronisch venösen Insuffizienz per App.

5 Fakten über Chronisch-venöse Insuffizienz

  • Wird besonders häufig bei Frauen über 50 diagnostiziert
  • Ist leider nicht heilbar
  • Durch die Venenschwäche sacken die Gefäße aus und es entsteht eine Blutstauung
  • Besenreiser können durch den Blutstau sichtbar werden
  • Im fortgeschrittenen Stadium entstehen auch Ödeme (Wasserablagerungen im Gewebe)

Definition

Was wird als chronisch venöse Insuffizienz bezeichnet?

Eine Venenschwäche ist gekennzeichnet als verminderte Leistungsfähigkeit des Venensystems, vor allem der unteren Extremitäten, das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen zu transportieren. Dabei sacken die Venen aus und das Blut staut sich in den Gefäßen. Dadurch kommt es zu einer sichtbaren Gefäßdarstellung an den Seitenflächen der Füße sowie an den Unterschenkeln.

Zudem kann der Blutstau zu einer Schwellung am betroffenen Bein führen, welches man auch als Ödem bezeichnet. Ist das Stadium der chronisch venösen Insuffizienz fortgeschritten, heilen offene Stellen an der Oberfläche der Haut besonders schlecht ab, was somit oftmals ein "offenes Bein" ergibt.

Unsere Hautärzt*innen können über die dermanostic App eine sichere Diagnose stellen und eine geeignete Therapie erstellen.

Ursache

Wodurch entsteht eine CVI?

Es gibt unterschiedliche Ursachen für die Entstehung einer CVI. Der Blutfluss in den Venen arbeitet entgegen der Schwerkraft. Für den Rücktransport des Blutes in den Venen gibt es unterschiedliche Mechanismen, um die Schwerkraft zu überwinden. Zum einen die sogenannte „Muskelpumpe“. Durch die Muskelaktivität wird das Blut während der Muskelanspannung nach oben gepresst. Venenklappen in den Venen verhindern, dass das Blut zurück in die Beine fließt. Auch das Herz übt einen negativen Sog auf das Gefäßsystem aus und fördert den Blutfluss zum Herzen.

Besonders häufig können lange stehende Tätigkeiten oder Bewegungsmangel für die Entstehung einer chronischen venösen Insuffizienz verantwortlich sein. Das führt dazu, dass die Muskelpumpen dadurch weniger aktiv sind und den Abtransport des Bluts nicht mehr ausreichend unterstützen. Die Venen dehnen sich immer weiter aus und die Venenklappen können sich wegen des erweiterten Durchmessers nicht mehr richtig schließen. Das Blut versackt und die oberflächlichen Venen, die nicht durch Muskeln oder Knochen stabilisiert werden, weiten sich aus.

Symptome

Welche Symptome lassen auf eine chronisch venöse Insuffizienz schließen?

Die chronisch venöse Insuffizienz lässt sich anhand verschiedener Hautveränderungen kennzeichnen.

Diese lassen sich anhand der CEAP-Klassifikation in unterschiedliche Grade unterteilen: Grad I beispielsweise beschreibt unter der Haut schimmernde Besenreiser und Teleangiektasien, also erweiterte Venen mit einem Durchmesser größer als drei Millimeter.

Ab Grad III lassen sich Ödeme ertasten, das sind Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, die zu geschwollenen Knöchel und/oder Beine führen. Somit spricht man auch ab Grad IIIa von einer CVI. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu Hautveränderungen, wie zum Beispiel braunen Flecken (Pigmentierung) oder entzündlichen Veränderungen der Haut (Ekzem).

Außerdem können weiße Narbenherde ("Atrophie blanche") oder auch Verhärtungen des Unterhautgewebes (auch als Dermatoliposklerose bekannt) im Rahmen chronischer Ödeme entstehen. Im Endstadium kommt es zu Geschwüren. Hier ist meist die Rede eines "offenen Beins".

Falls auch Du einen solchen Hautbefund hast, kannst Du Dich gern an unsere Hautfachärzt*innen aus der digitalen Hautarztpraxis dermanostic per App wenden. Unser Team aus Expert*innen kann Dir mit einer Diagnosestellung helfen und erstellt Dir einen ausführlichen Arztbrief.

Komplikationen

Ist die chronisch venöse Insuffizienz gefährlich?

Neben den entstehenden kosmetischen Störungen durch die Venenerweiterungen kann die CVI, wenn unbehandelt, auch ernsthafte Komplikationen auslösen. So können sich Geschwüre bis hin zum Krankheitsbild des offenen Beines (Ulcus cruris) ausbilden, welches mit einer gestörten Wundheilung einhergeht. Diese Wunden können sich im schlimmsten Fall dann auch noch infizieren. In solchen Fällen empfiehlt unsere Hautarztpraxis, dass zeitnah unsere Hautfachärzt*innen die Hautveränderung per App beurteilen und entsprechend gezielt behandeln.

Therapie

Was hilft gegen Veneninsuffizienz?

Die Venenschwäche ist leider nicht heilbar, sondern ein chronisch fortschreitender Prozess. Damit der Krankheitsverlauf der Venenschwäche sich nicht verschlechtert und in eine chronisch venöse Insuffizienz übergeht, kann man mit einigen Tipps den Progress aufhalten. Dazu zählen: Bewegung und Sport, ein häufiger Wechsel zwischen stehender und sitzender Tätigkeit und das Tragen von Kompressionsstrümpfen bei langer stehender Tätigkeit. Außerdem ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung unterstützend. Des Weiteren helfen wechselwarme Duschen.

Die Basistherapie besteht darin, eine Kompression (z.B. durch Kompressionsstrümpfe) in Kombination mit körperlicher Bewegung täglich durchzuführen. Die Strümpfe üben über einen Druck von außen Kompression auf das Gewebe aus und wirken ähnlich der Muskelpumpe. Bei Bewegung spannt sich die Muskulatur an, die zwischen den Muskeln liegenden Venen werden zusammengepresst und die Venenklappen schließen besser. Folglich wird das Blut zielgerichtet zum Herzen befördert. Symptome wie Schmerzen, Schwellungen und Spannungsgefühle werden deutlich gelindert. Die Lebensqualität wird folglich gesteigert.

Neben der Kompressionstherapie gibt es die Möglichkeit die krankhaft veränderten Venen durch operative, teils invasive Verfahren zu entfernen. Die Therapieverfahren sind unter anderem

  • Venenstripping
  • Veröden (Sklerosierungstherapie) der Venen
  • Lasertherapie

Jede Therapie ist individuell, unsere Hautärzt*innen erstellen Dir als Patient*in eine entsprechende Therapie. Hier erfährst Du, wie das geht.

Dr. med. Alice Martin

Verfasst von Dr. med. Alice Martin

Dr. med. Alice Martin ist Hautärztin in Weiterbildung und Mitgründerin der Online-Hautarztpraxis dermanostic. Sie ist leidenschaftliche Vermittlerin für dermatologische Themen und deshalb bei dermanostic für die Patientenkommunikation zuständig. 

Literatur und Einzelnachweise

  1. Altmeyer, P:
    Insuffizienz chronische venöse (04. Januar 2015) | Abgerufen am 08. April 2021 von www.altmeyers.org
  2. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.:
    Diagnostik und Therapie der Varikose (31. März 2019) | Abgerufen am von www.awmf.org