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Insektenstiche – Von harmlos bis gefährlich

Was Du nach einem Stich durch Mücken, Zecken, Bremsen & Co. beachten solltest

Insektenstiche – Von harmlos bis gefährlich

Lisa Henkel  31.08.2022

Mücken, Zecken, Wespen, … sind vor allem im Sommer eine nervige Angelegenheit. Ein Stich kann nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich sein. Allergische Reaktionen treten bei bis zu 25 % aller Menschen auf und sind in seltenen Fällen sogar lebensbedrohlich. Doch auch harmlose Mückenstiche können bei starkem Juckreiz äußerst quälend sein. Wir erklären Dir, wann Insektenstiche gefährlich sind, wie Du sie verhindern kannst und was zu tun ist, wenn es doch passiert ist.

„Süßes Blut“: Warum werden manche Menschen häufiger gestochen?

Wenn Du nach nur einer Nacht mit offenem Fenster völlig zerstochen aufwachst, gehört Du vielleicht auch zu den „Auserwählten“. Es gibt verschiedene Theorien, warum einige Menschen Mücken scheinbar magisch anziehen. Eine wichtige Rolle scheint der individuelle Körpereigengeruch zu spielen. Leider lässt sich dieser auch nicht mit Parfüm überdecken, im Zweifel ziehen weitere Gerüche Mücken nur noch mehr an. Außerdem wurde beobachtet, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 ebenfalls häufiger von Mücken gestochen werden.

Was passiert bei einem Insektenstich?

Bei einem Insektenstich spritzen Insekten eine blutverdünnende Substanz in die Haut. Ohne diese Substanz würde unser Blut gerinnen und fest werden, sodass Mücken & Co. das Blut nicht mehr saugen könnten. Diese blutverdünnende Substanz bewirkt dann, dass im Körper Histamin ausgeschüttet wird. Histamin ist ein Gewebshormon, das an vielen allergischen Reaktionen (Lebensmittelallergien, Heuschnupfen, …) beteiligt ist und die typischen allergischen Beschwerden wie Juckreiz, Schwellung oder Hautrötung hervorruft. Es bewirkt außerdem eine Erweiterung der Blutgefäße, sodass mehr Blut zur Stichwunde gelangt und die Hautrötung weiter verstärkt wird.

Gestochen, und jetzt? Das solltest Du bei einem Stich tun

Zunächst solltest Du Dir die Stichstelle gut anschauen. Wichtig ist, dass Stachel oder Zecken sofort aus der Haut entfernt werden. Zecken sind gar nicht so leicht aus der Haut zu entfernen. Es gibt Hilfsmittel, z.B. spezielle Zeckenpinzetten, die das vollständige Entfernen erleichtern. Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du auch eine*n Ärzt*in aufsuchen. Bei einem Zeckenbiss sollte die Zecke jedoch so schnell wie möglich entfernt und nicht zu lange gewartet werden. Andere Stachel lassen sich meist problemloser mit einer herkömmlichen Pinzette oder sogar mit den Fingern herausziehen. Um Entzündungen zu verhindern, sollten Pinzette oder Finger natürlich sauber, am besten sogar desinfiziert sein. Unabhängig von der Art des Stiches ist die Reinigung und Desinfektion der Stichwunde wichtig. Danach solltest Du unbedingt die Finger von der Stichwunde lassen.

Wichtig: Kratzen verboten!

Versuche in jedem Fall dem Juckreiz zu widerstehen und Kratzen zu unterlassen. Durch das Kratzen kann sich das Insektengift im Zweifel noch besser verteilen, sodass die Rötung, Schwellung und der Juckreiz nur noch schlimmer werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass Erreger (Bakterien) von den Fingern in die Stichwunde gelangen. Folge ist eine lokale Entzündung bis hin zur Blutvergiftung.

  • Kälte: Durch Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Das hat einen abschwellenden Effekt.
  • Hitze: Spezielle Hitzestifte aus der Drogerie oder Apotheke können auf den Stich aufgelegt werden. Dann wird die Stichwunde bzw. Haut erhitzt. Durch die Hitze werden Eiweiße (Proteine) aus dem Insektengift zerstört. Dadurch wird die Immunreaktion vermindert. Am besten wirken Hitzestifte, wenn sie möglichst direkt nach dem Stich verwendet werden. Achtung: Verbrennungsgefahr (vor allem bei Kindern)!
  • Hausmittel: Aloe vera kann einen beruhigenden Effekt haben, wenn sie auf die Haut aufgetragen wird.

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Medizinische Behandlung: Schnelle(re) Linderung mit den richtigen Wirkstoffen

Wenn Hausmittel keine ausreichende Wirkung zeigen, gibt es verschiedene Wirkstoffe aus der Apotheke, die sorgenfrei bereits bei Kleinkindern verwendet werden dürfen. Erste Wahl sind lokale Antihistaminika, die als Gel oder Creme einfach auf den Insektenstich aufgetragen werden. Antihistaminika wirken, wie der Name bereits verrät, gegen Histamin, das bei einem Insektenstich vom Körper ausgeschüttet wird. Sie helfen besonders gut gegen den Juckreiz. Bei vielen Stichen am ganzen Körper und starken Beschwerden gibt es Antihistaminika auch in Tabletten, z.B. Loratadin. Diese sind zwar gut verträglich und rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, sollten aber erst eingenommen werden, wenn Gels und Cremes keine ausreichende Wirkung zeigen. Bei großen Quaddeln, Schwellungen und Rötungen können außerdem Cremes oder Salben mit Cortison verschrieben werden. Cortison ist außerdem gut geeignet, um entzündete Insektenstiche zu behandeln. Je nach Ausprägung der Entzündung kann jedoch auch ein Antibiotikum notwendig sein. Ein Beispiel für eine solche Infektion ist die Wundrose, auch als Erysipel bekannt.

Wann solltest Du auf jeden Fall eine*n Ärzt*in aufsuchen?

Rötung, Schwellung und Juckreiz nach einem Insektenstich sind ganz normal. Sind die Beschwerden jedoch nicht nur auf die Stichstelle begrenzt und breiten sich weiter aus, ist das ein Hinweis für eine (lokale) allergische Reaktion. Ist nur die Haut betroffen und treten keine anderen körperlichen Beschwerden auf (z.B. Atemnot, siehe unten), muss nicht der Krankenwagen gerufen werden. Dennoch sollte zeitnah ein*e Ärzt*in aufgesucht werden. Jegliche Hinweise auf eine Entzündung des Insektenstichs, z.B. überwärmte, stark gerötete Haut, solltest Du ebenfalls untersuchen lassen.

Wichtig: Hautreaktionen nach einem Zeckenbiss solltest Du immer von einem*r Ärzt*in beurteilen lassen!

Typisch ist eine kreisförmige Rötung, die sich um den Zeckenbiss ausbreitet. Die Untersuchung ist wichtig, weil einige Zecken Krankheiten wie FSME oder Borreliose übertragen können. Wenn diese zu spät behandelt werden, können schwere Folgen auftreten. Bei einer frühen Behandlung reicht hingegen meist ein Antibiotikum.

Leidest Du an einer Hautreaktion nach einem Insektenstich? Sende uns einfach 3 Fotos und fülle den Fragebogen aus. Innerhalb von 24 Stunden erhältst Du eine Diagnose und Therapieempfehlung mit Privatrezept.

Notruf 112: Wann wird es gefährlich?

Um einen absoluten Notfall handelt es sich, wenn Atemnot, Brustschmerzen, Übelkeit oder Ohnmacht auftreten. Dann sollte nicht gezögert und die 112 gewählt werden. Ein solcher allergischer Schock, auch als anaphylaktischer Schock bezeichnet, muss sofort medizinisch behandelt werden. Ein allergischer Schock kann lebensbedrohlich sein. Wenn bei Dir eine allergische Reaktion auf Insektenstiche bekannt ist, solltest Du immer ein Notfallset bei Dir tragen. Bei einem Insektenstich im Gesicht, Mund oder Hals sollte ebenfalls sofort der Krankenwagen gerufen werden. Bei einer Schwellung kann nämlich auch die Luftröhre zuschwellen, sodass es auch hier zur Atemnot kommen kann.

Prävention: Wie lassen sich Insektenstiche verhindern?

Erfreulicherweise gibt es viele Möglichkeiten, Insektenstiche zu verhindern:

Schaffe einen mechanischen Schutz durch Kleidung, Gitter und Netze!

Der einfachste und schonendste Schutz ist lange Kleidung. Diese sollte dick genug sein, sodass Insekten nicht hindurchstechen können. Besonders eignen sich helle, neutrale Farben. Ebenfalls einen mechanischen Schutz bieten Insektengitter an Fenstern und Türen oder Netze, die meist über dem Bett aufgehängt werden.

Verwende Insektensprays!

Den effektivsten Schutz bieten Insektensprays, die meist auf die Haut aufgetragen werden. Nachteil ist jedoch, dass die Sprays nicht besonders sanft zur Haut sind und nicht immer vertragen werden. Bei empfindlicher Haut kann es zu Irritationen und Rötungen kommen. Auch bei Kindern ist Vorsicht geboten. Nicht jedes Insektenspray ist, abhängig vom jeweiligen Wirkstoff und der Konzentration, für Kinder geeignet. Es gibt jedoch mittlerweile auch Insektensprays, die auf die Kleidung aufgesprüht werden. Diese stellen eine gute Alternative für Kinder und Personen mit empfindlicher Haut dar.

Wichtig: Gerade bei Reisen in Risikogebiete, in denen z.B. die Malaria-Mücke oder Tigermücke zu Hause ist, sollten Insektensprays und zusätzliche Schutzmaßnahmen auf jeden Fall angewandt werden. Bestimmte Mücken können sonst durch einen Stich Erkrankungen übertragen, die weitaus gefährlicher sind als leichte Hautreizungen durch Insektensprays.

Vermeide Orte, an denen sich Insekten gerne aufhalten!

Hier vor Ort tauchen Insekten, vor allem Mücken, besonders in der Dämmerung und an Gewässern wie Teichen oder Seen auf. Licht (Kerzen, Lichter, Elektronikgeräte) zieht Insekten zusätzlich an. Möchtest Du Insektenstiche vermeiden, so hältst Du Dich im besten Fall gar nicht an solchen Orten auf.

Vermeide Gerüche, die Insekten anziehen!

Intensive Gerüche können Insekten ebenfalls anziehen. Dazu gehören z.B. Schweiß und Parfüm, aber auch süßes Obst oder Fruchtsäfte. Deshalb empfiehlt sich immer eine Dusche, der Verzicht auf Parfüm und das Abdecken von Speisen und Getränken.

Wenn Du weitere Fragen hast, wende Dich gerne über unsere App, oder unsere Social Media Seiten an uns!

Lisa Henkel

Verfasst von Lisa Henkel

Lisa Henkel ist Medizinstudentin im klinischen Abschnitt und unterstützt als Co-Autorin die fachliche Redaktion bei dermanostic. Dabei verantwortet sie das Wirkstofflexikon und kleine Fachartikel zu Hauterkrankungen