Ulcus cruris (offenes Bein)

Online-Hautarzt: Ursache, Symptome und Behandlung

Die Ausbildung von offenen Stellen an den Unterschenkeln (Ulcus cruris) können medizinisch eine langwierige Angelegenheit sein. Es gibt verschiedene Ursachen für ein Ulcus cruris, entsprechend ist die Therapie unterschiedlich.

Definition

Was ist ein Ulcus cruris?

Ein Ulcus Cruris, auf Deutsch „Unterschenkelgeschwür“, beginnt oftmals zunächst mit einer kleinen Verletzung am Unterschenkel, Fußknöchel oder Zeh und kann sich ohne Therapie zu einem geschwürartigen, chronischen Wundbereich entwickeln.

Ursache

Wodurch entsteht ein Ulcus cruris?

Das Ulcus cruris ist eine Komplikation bestimmter Grunderkrankungen. Zu den häufigen Grunderkrankungen, die eine Entstehung von chronischen Wunden am Unterschenkel begünstigen, zählen arterielle Durchblutungsstörungen (periphere arterielle Verschlusskrankheit), die chronisch venöse Insuffizienz sowie eine Nieren- und Herzschwäche.  Bei einer arteriellen Durchblutungsstörung kann es dazu kommen, dass nicht genug sauerstoffreiches Blut den Unterschenkel erreicht (z.B. bei Raucherbeinen oder durch eine sog. diabetische Mikroangiopathie), wodurch kleine Wunden schlechter abheilen können und sich dadurch vergrößern. Eine Nieren- oder Herzschwäche sowie auch eine chronisch venösen Insuffizienz kann dagegen zu einer Veränderung des Flüssigkeitshaushaltes im Körper führen, wodurch es häufig zu einer Ausbildung von Unterschenkelödemen ("Wasser in den Beinen") kommt.

Der erhöhte Druck und die Schwellung in den Unterschenkeln kann zu einem Aufplatzen der Haut und damit ebenfalls zu einer Vergrößerung Wunde führen. Wenn dann keine Therapie und sorgfältige Hygiene durchgeführt wird, können zusätzlich Infektionen entstehen.

Übersicht über die Ursachen eines Ulcus cruris, abhängig von der Lokalisation der Störung im Gefäßsystem (arteriell oder venös):


1. Venöses System:

Häufig liegt eine chronische Venenschwäche vor, bei der sich die Wunde vom Unterschenkel bis auf das ganze Bein ausweiten kann. Erste Anzeichen für eine Venenschwäche können Krampfadern sein. Bleibt die Venenschwäche unbehandelt, kommt es zum Blutstau in den Venen und Schwellungen (Ödemen) im angrenzenden Gewebe. Das Bindegewebe kann sich verhärten, sodass das betroffene Gewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden kann.

Eine andere Ursache für einen stockenden Venenfluss kann ein Gerinnsel (Thrombus) in der Vene sein. Beides kann dann Ursache eines sog. venösen Ulcus sein.


2. Arterielles System:

Im arteriellen System kann es zu Gefäßverschlüssen kommen, wobei die Zehen und Füße ein Ulcus entwickeln können. Risikofaktoren für verstopfte oder verhärtete Arterien sind Rauchen, erhöhte Blutfettwerte und ein erhöhter Blutdruck. Auch ein Diabetes Mellitus birgt ein großes Risiko für einen Ulcus, da die Gefäße schneller verkalken und die Erkrankung mit Nervenschädigungen, v.a. in den Füßen, einhergeht. Hierbei werden Wunden durch die fehlende Empfindung meistens erst wahrgenommen, wenn bereits eine große Wunde entstanden ist. Zudem ist die Wundheilung bei Diabetikerin prinzipiell verlangsamt und gestört.

Die Diagnose eines Ulcus ist durch das Aussehen leicht zu stellen. Viel wichtiger ist es, die Ursache für die Erkrankung zu ermitteln. Hierfür sollten die Gefäße mittels eines Ultraschalls untersucht werden. Auch ein mikrobiologischer Abstrich ist sinnvoll, um die bakterielle Besiedlung auf dem Ulcus zu untersuchen. Laborwerte zeigen zudem an, ob eine Infektion vorliegt.

Symptome

Welche Symptome hat ein Ulcus cruris?

Das Ulcus cruris zeichnet sich durch offene, nässende Wunden an den Unterschenkeln aus, die nur schwer von alleine abheilt und im Verlauf größer wird. Die Wunde kann in ausgeprägten Fällen bis auf den Knochen reichen. Das umliegende Gewebe weicht durch die austretende Flüssigkeit und dauerhafte Feuchtigkeit auf und zeigt sich oft gereizt.

Brauchen Sie eine Hautarztbehandlung?

Diagnose, Therapie und Rezept hier 24/7 möglich.

Appstore Badge Playstore Badge Webapp Badge

Therapie

Wie behandelt man ein Ulcus cruris?

Ziel der Therapie ist die Gewährleistung des ungehinderten Blutflusses und die Förderung der Wundheilung durch lokale Maßnahmen und eine gute Hygiene.  Die Therapie kann sich über Wochen bis Monate ziehen.

Kompressionsverbände (wenn eine arterielle Durchblutungsstörung ausgeschlossen wurde) regen den Blutfluss an und sind vom medizinischen Pflegepersonal oder dem Patienten selbst zu wechseln. Körperliche Bewegung fördert die Durchblutung und ist angeraten. Die offene Wunde muss regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Ein Ulcus sollte von erfahrenen Medizinern behandelt werden, da es sich um eine schwere Erkrankung mit potentiell schwerwiegenden Folgen handelt. Eine Therapie sollte möglichst zeitnah erfolgen und kann ggf. auch eine chirurgische Behandlung erfordern, wobei das Geschwür am Unterschenkel dann von abgestorbenem Gewebe mittels Pinzette und Skalpell oder einem sog. scharfen Löffel befreit wird.

Es gilt: Je früher die adäquate Behandlung der Grunderkrankung und der eigentlichen Wunde am Unterschenkel, desto günstiger die Prognose und umso schneller der Heilungsprozess!

Sie haben eine Hautveränderung? Mit dermanostic können Sie sofort einen Hautarzt per App kontaktieren – Ihnen wird innerhalb von 24 Stunden geholfen.

Die Bilder in der unten ausgeführten Slideshow wurden von der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen zur Verfügung gestellt.

Verfasst von Dr. med. Alice Martin

Dr. med. Alice Martin ist Hautärztin in Weiterbildung und verantwortlich für die fachliche Redaktion bei dermanostic. Sie übernimmt die öffentliche Patientenkommunikation und schreibt medizinische Artikel.

Literatur und Einzelnachweise