Was ist das besondere am Hautmikrobiom bei Kindern?
Dr. Alice Martin 16.10.2023
Das Mikrobiom entwickelt sich in den ersten Lebensjahren eines Menschen und bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Viren, Pilze und Bakterien) auf und im menschlichen Körper. Die Mikroorganismen auf der Haut, dem größten Organ des Menschen, nennt man in ihrer Gesamtheit Hautmikrobiom.
Ein gesundes Mikrobiom, beziehungsweise eine gesunde Hautflora, enthält eine dichte Besiedelung von „guten“ Mikroorganismen.
Das Mikrobiom bildet die Verbindung zwischen Körper und Außenwelt und fungiert als Schutz vor schädlichen äußeren Einflüssen. Bei einer gesunden Hautflora kann Feuchtigkeit in die Haut eindringen, während schädliche Stoffe, wie Krankheitserreger, ausgeschlossen werden.
Wenn das Mikrobiom gestört ist, z.B. wenn sich zu viele „schlechte“ Bakterien auf der Haut befinden, wird diese Schutzfunktion gestört. Durch die gestörte Hautbarriere können in den Körper Allergene und weitere Erreger besser eindringen. Es kann zu einer erhöhten Haut-Empfindlichkeit, schnellerer Hautalterung, Elastizitätsverlust, Faltenbildung oder auch einer Entzündung kommen.
Eine Schädigung des Mikrobioms kann zum Beispiel durch übermäßige Pflege oder die Verwendung falscher Kosmetikprodukte entstehen. Tipps für ein gesundes Mikrobiom findest Du hier.
Unterscheidet sich das Mikrobiom der Haut bei Kindern von dem von Erwachsenen?
Ja, und zwar in folgenden Aspekten:
Das Verständnis des Hautmikrobioms – gerade bei Kindern – steckt noch in den Anfängen- Forscher*innen arbeiten noch daran, die Zusammenhänge zwischen dem Hautmikrobiom und der Gesundheit der Haut weiter zu erforschen.
Hautkrankheiten die häufig mit einem unausgeglichenen Mikrobiom in Zusammenhang stehen, sind zum Beispiel Ekzeme, Neurodermitis (Atopische Dermatitis),Akne, Rosazea oder die Schuppenflechte (Psoriasis).
Ekzeme sind häufig chronische Hauterkrankungen, die durch Symptome wie gerötete Hautstellen, Juckreiz, Schwellung und Hautausschläge gekennzeichnet sind. Bei Menschen mit Ekzemen ist die Hautbarriere beeinträchtigt, was es schädlichen Mikroorganismen leichter macht, in die Haut einzudringen und Entzündungen auszulösen. Eine bekannte Form von Ekzemen ist das Atopische Ekzem, auch als Atopische Dermatitis oder Neurodermitis bekannt.
Bei Neurodermitis kommt es häufig zu einem veränderten Mikrobiom. Während die Vielfältigkeit (Diversität) der „guten“ Bakterien auf der Haut immer kleiner wird, vermehrt sich ein bestimmtes Bakterium sehr stark: Der Staphylococcus aureus. Durch die Überbesiedelung dieses Bakteriums wird das Spektrum des Mikrobioms immer weiter zurückgedrängt. Die Hautbarriere ist geschädigt, weswegen es schneller zu Entzündungen der Haut kommt. Diese Entzündungen begünstigen wiederum eine weitere Vermehrung von „schlechten“ Bakterien.
Tipps Neurodermitis bei Kindern findest Du hier.
Der Zusammenhang zwischen dem Hautmikrobiom und Akne ist komplex, denn es gibt keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung. Trotzdem kann festgehalten werden, dass das Mikrobiom Akne beeinflusst – und andersherum.
Studien haben gezeigt, dass die Haut von Aknepatient*innen im Vergleich zu Menschen ohne Akneveränderungen im Mikrobiom aufweisen kann. Das Bakterium Propionibacterium acnes kommt bei Menschen mit Akne in höherer Konzentration vor. Diese Erhöhung der Bakterienzahl bringt die Hautflora aus dem Gleichgewicht und kann die Entzündungsreaktionen auf der Haut verstärken.
Akne kann zudem zu Entzündungen in den Talgdrüsenfollikeln führen. Die Entzündung wiederum kann das Hautmikrobiom beeinflussen, indem sie die Bedingungen auf der Haut verändert und das Wachstum bestimmter Bakterien dann noch weiter begünstigt.
Rosazea ist eine chronische Hauterkrankung, die durch anhaltende Rötungen im Gesicht, sichtbare Blutgefäße, Hautausschläge und manchmal auch entzündliche Knötchen gekennzeichnet ist. Erste Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Hautmikrobiom, insbesondere die Demodex-Milben, eine Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielen können.
Demodex-Milben sind natürliche Bewohner der Haut und leben in den Haarfollikeln. Bei Menschen mit Rosazea kann häufig eine Überpopulation dieser Milben festgestellt werden. Die genaue Rolle der Milben in der Entstehung von Rosazea ist aber noch nicht geklärt.
Darüber hinaus ist Rosazea durch chronische Entzündungen der Haut gekennzeichnet. Das Vorhandensein von Entzündungen beeinflusst das Gleichgewicht des Hautmikrobioms und kann zur Veränderung der Mikroorganismen auf der Haut führen. Dadurch kann wiederum die Hautbarriere beeinträchtigt werden, was es weiteren schädlichen Mikroorganismen leichter macht, einzudringen.
Auch bei der Hauterkrankung Psoriasis (Schuppenflechte) liegt eine verringerte Diversität der Erreger vor. In den für die Schuppenflechte typischen Plaques (so nennt man die betroffenen Hautstellen) kann es, wie bei der Neurodermitis, zu einer hohen Menge des Staphylococcus aureus kommen. Bei der Behandlung sollte das Mikrobiom unterstützt werden.
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Verfasst von Dr. Alice Martin
Dr. med. Alice Martin ist Hautärztin in Weiterbildung und Mitgründerin der Online-Hautarztpraxis dermanostic. Sie ist leidenschaftliche Vermittlerin für dermatologische Themen und deshalb bei dermanostic für die Patientenkommunikation zuständig.