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Hyperhidrose: Was hilft gegen starkes Schwitzen?

Gesteigertes Schwitzen bei geringen Anstrengungen: Warum schwitze ich auf einmal so viel?

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Madeleine Jandek 21.06.2022

Gesteigertes Schwitzen bei geringen Anstrengungen: Warum schwitze ich auf einmal so viel?

Schweißperlen während eines Meetings oder nasse Flecken auf dem T-Shirt? Schwitzen tritt bei körperlicher Anstrengung oder in stressigen Situationen auf und ist in den meisten Fällen völlig normal.

Die Schweißproduktion kann jedoch über ein als normal empfundenes Maß hinausgehen und zeitweise oder dauerhaft gestört sein. Mediziner sprechen bei übermäßigem Schwitzen am Tage von Hyperhidrose.

Die erfreuliche Nachricht: Es gibt einige Möglichkeiten, um das übermäßige Schwitzen in den Griff zu bekommen!

Wieso schwitze ich eigentlich - Und wann wird es zu viel?

Auch wenn es wohl kaum jemand gerne hat: Schwitzen ist eine durchaus notwendige und sinnvolle Erfindung der Natur. Indem unser Körper Schweiß absondert, schützt er sich selbst vor einer Überhitzung.

An einem heißen Sommertag oder auch bei sportlichen Betätigungen ist das Schwitzen eine lebenswichtige Funktion, die die Körpertemperatur konstant bleiben lässt.

Manchmal schwitzt man auch einfach ein wenig mehr, wenn man aufgeregt ist (emotionales Schwitzen), eine scharfe Suppe (gustatorisches Schwitzen) gegessen oder ein wenig Alkohol getrunken hat. Denn auch hier werden bestimmte Nervenfasern im Körper stimuliert, die zu einer verstärkten Schweißbildung führen.

Funfact: Wusstest Du, dass Schweiß eigentlich geruchlos ist? Erst wenn der Schweiß etwas länger auf der Haut bleibt, kommt es zu dem unangenehmen Geruch: Die natürlich vorkommenden Haut-Bakterien zersetzen den frischen Schweiß und produzieren dabei den übelriechenden Geruch.

Warum schwitze ich so viel bei geringer Anstrengung?

Wenn übermäßiges Schwitzen Dein tägliches Leben einschränkt, ist es wichtig, die Gründe dafür zu erforschen. Obwohl die genauen Ursachen von Hyperhidrose immer noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es Vermutungen darüber, wie es zu dieser übermäßigen Schweißproduktion kommt. Es wird angenommen, dass das Nervensystem die Schweißdrüsen überstimuliert, was dazu führt, dass sie mehr Schweiß absondern als normal. In einigen Fällen ist es jedoch schwierig, den genauen Auslöser für diese Überstimulation zu identifizieren. Hier spricht man von primärer Hyperhidrose, bei der die genaue Ursache unklar bleibt.

Bei der sekundären Hyperhidrose kann das verstärkte Schwitzen auf eine bestehende Grunderkrankung zurückgeführt werden, wie:

Schilddrüsenerkrankungen, neurologische Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen, rheumatische Erkrankungen, Infektionskrankheiten, eine Unterzuckerung (Hypoglykämien) oder aber Wechseljahre. Aber keine Panik! Eine Grunderkrankung ist selten die Ursache.

Um den Grund des verstärkten Schwitzens zu verstehen und zu diagnostizierten, ob es sich um eine Hyperhidrose handelt, sollte ein Arzt oder eine Ärztin kontaktiert werden.

Der Arzt oder die Ärztin wird mit Dir ein ausführliches Gespräch führen, um Informationen über Deine Symptome, die Dauer und den Schweregrad des übermäßigen Schwitzens zu sammeln. Es ist wichtig, alle betroffenen Körperbereiche zu erwähnen.

Wende Dich zur ersten Einschätzung auch gerne an unsere Hautfachärzt*innen per App, innerhalb von 24h erhältst Du Deine Rückmeldung.

Besondere Aufmerksamkeit solltest Du verstärktem Schwitzen mit Fieber in der Nacht schenken. Neben den eher harmlosen Wechseljahr-Beschwerden könnte es sich auch um eine ernsthafte Erkrankung handeln. So sollte etwa der Verdacht einer Tumorerkrankung abgeklärt werden.

Welche Arten der Hyperhidrose gibt es?

Eine Hyperhidrose muss nicht zwingend am gesamten Körper auftreten (generalisierte Hyperhidrose). In vielen Fällen kommt es nur an einzelnen Körperstellen zu einer vermehrten Schweißbildung. Bei der fokalen Hyperhidrose kommt es typischerweise an Achseln, Hand- sowie Fußflächen zu einer verstärkten Produktion von Schweiß. Einige Patient*innen klagen jedoch auch von krankhaftem Schwitzen am Kopf und im Intimbereich.

Je nachdem wie stark die Hyperhidrose ausgeprägt ist, kann zwischen drei Stadien unterschieden werden:

  • Grad I - leichte Hyperhidrose: Deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit, Schwitzflecken von 5-10 cm Durchmesser am Hemd bei axillärer Hyperhidrose
  • Grad II - mäßig starke Hyperhidrose: Bildung von Schweißperlen, Schwitzflecken von 10-20 cm Durchmesser am Hemd bei axillärer Hyperhidrose
  • Grad III - starke Hyperhidrose: Schweiß tropft von den betroffenen Stellen ab, Schwitzflecken von mehr als 20 cm Durchmesser am Hemd bei axillärer Hyperhidrose

Was kann man gegen übermäßiges Schwitzen tun?

Glücklicherweise gibt es einige gute Behandlungsmöglichkeiten, um dem vermehrten Schwitzen ein Ende zu bereiten. Hier kommt es jedoch ganz darauf an, wie stark der Befund ausgeprägt ist. Wir empfehlen Dir daher den Besuch in der Hautarztpraxis Deines Vertrauens. Hier kann mithilfe bestimmter Tests das Ausmaß der Schweißbildung bestimmt werden. Hier möchten wir Dir jedoch auch vorab ein paar Möglichkeiten nennen, die bei Hyperhidrose helfen könnten:

1. Ein paar Hausmittel für den Anfang

Tatsächlich gibt es ein paar kleine Tricks im Alltag, die vermehrtes Schwitzen lindern können. Die wichtigsten für Dich im Überblick:

  • Salbeitee
  • Apfelessig
  • Luftdurchlässige Kleidung und atmungsaktive Materialien
  • Luftige Bettwäsche
  • Scharfes und heißes Essen meiden
  • Alkohol meiden
  • Achselhaare entfernen

2. Antiperspirantien mit Aluminiumsalzen

Die Wirkung der Aluminiumsalze lässt sich einfach erklären: Sie können zu einem Verschluss der Schweißdrüsen führen, was das Schwitzen in der Regel erheblich eindämmt. Dennoch sollte man Deos und Cremes sparsam anwenden. Für all diejenigen, die dennoch auf Aluminiumsalze verzichten möchten, gibt es noch eine Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten.

3. Leitungswasser-Iontophorese bei übermäßigem Schwitzen

Strom und Wasser sollen helfen? Was auf den ersten Blick ein wenig gefährlich klingt, ist in Wahrheit eine lang bewährte effiziente und nebenwirkungsarme Therapieoption. Bei der Leitungswasser-Iontophorese können Patient*innen ihre Hände und Füße in mit Wasser gefüllte Wannen legen. Zwischen den Wannen fließt dann ein Gleichstrom, der die Schweißbildung Schritt für Schritt reduzieren kann. Die Behandlung kann auch bei axillärer Hyperhidrose angewendet werden, was aufgrund der Wannenform jedoch nicht immer leicht umsetzbar ist. Um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, sollte man die Leitungswasser-Iontophorese am Anfang vier Wochen lang ca. 4-5-mal in der Woche für 10-20 Minuten durchführen. Leider halten die erzielten Erfolge nicht dauerhaft an, weshalb sich eine Fortsetzung der Anwendung über einen längeren Zeitraum empfiehlt. Um die Resultate beizubehalten, sollte die Anwendung nach den ersten vier Wochen etwa 1-2-mal pro Woche fortgeführt werden.

4. Injektion von Botulinumtoxin A

Botox – der Alleskönner? Die Anwendung von Botox ist sehr vielfältig. Und tatsächlich zählt die Injektion von Botox zu einen der wirksamsten Methoden zur Behandlung von übermäßig starkem Schwitzen unter den Achseln. Der Vorteil: Meist sind pro Jahr nur 1-2 Anwendungen notwendig, um starkes Schwitzen merklich reduzieren zu können.

5. Zerstörung der Schweißdrüsen durch Wärme

Mittels verschiedener Methoden (Radiofrequenz, Mikrowellen, Ultraschall, Laser) können die Schweißdrüsen auch durch Wärme zerstört werden, was zu einem Verlust ihrer Funktion führt und man schwitzt weniger. Die Behandlung tut in der Regel nicht weh, da die betroffene Hautstelle zuvor ausreichend betäubt wird. Der Nachteil: Teilweise kann es auch zur Zerstörung anderer Hautbestandteile kommen, weshalb diese Therapie in der Regel im unsichtbaren Achselbereich durchgeführt wird.

6. Chirurgische Schweißdrüsenentfernung

Klingt vielleicht komisch, ist aber wahr! Tatsächlich können Schweißdrüsen auch aus der Haut entfernt werden. Mittels Laser oder einer Absaugtechnik werden Schweißdrüsenknäuel dabei selektiv abgetragen. Ob diese Therapieoption für Dich in Frage kommt, solltest Du mit der Hautärztin oder dem Hautarzt Deines Vertrauens abklären.

7. Anticholinergika

Als ergänzende Therapie können auch die sogenannten Anticholinergika eingenommen werden. Es handelt sich hierbei um einen verschreibungspflichtigen Wirkstoff, welcher eine entspannende Wirkung auf das Nervensystem hat und gleichzeitig zu einer Unterbrechung der Nervenimpulse führen kann. Einige erhebliche Nebenwirkungen sollten dennoch nicht ganz außer Acht gelassen werden: Mundtrockenheit, Herzrasen, aber auch Blasenentleerungsstörungen können bei Einnahme auftreten.

Welche der genannten Therapien für Dich persönlich in Frage kommt, solltest Du mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin absprechen. Ebenfalls könnte auch eine Kombination mehrerer Therapieansätze für Dich in Frage kommen.

Wende Dich auch gern mit Deinen Hautproblemen an unsere Hautfachärzt*innen per App! Unsere Expert*innen stellen innerhalb von 24h eine Diagnose und verfassen einen individuellen Therapieplan für Dich!

Madeleine Jandek

Verfasst von Madeleine Jandek

Madeleine Jandek ist bei dermanostic im Kommunikations- und Redaktionsteam für den medizinischen Support mitverantwortlich. Sie schließt bald den klinischen Teil ihres Humanmedizinstudiums an der Universität Ulm ab und möchte im Anschluss die Facharztausbildung zur Dermatologin beginnen. Bei dermanostic schreibt sie unter anderem Artikel über alle Themen rund um Haare, Haut und Nägel.