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Hyperhidrose: Was hilft gegen starkes Schwitzen?

Gesteigertes Schwitzen bei geringen Anstrengungen: Warum schwitze ich auf einmal so viel?

Hyperhidrose: Was hilft gegen starkes Schwitzen?

Madeleine Jandek  22.06.2022

Jeder kommt mal so richtig ins Schwitzen. Das ist gesund und auch normal. Anders sieht die Sache jedoch aus, wenn man immer das Gefühl hat, mehr als alle anderen zu schwitzen. Schweißperlen während eines Meetings oder nasse Flecken auf dem T-Shirt. Einige wollen sogar den Handschlag ihres Gegenübers meiden. Kennst Du solche Momente? Falls das der Fall sein sollte, könntest auch Du an einer sogenannten Hyperhidrose leiden. Die erfreuliche Nachricht: Es gibt einige Möglichkeiten, um übermäßig starkes Schwitzen in den Griff zu bekommen!

Wieso schwitze ich eigentlich? Und wann wird es zu viel?

Auch wenn es zugegebenermaßen die wenigsten richtig gernhaben: Schwitzen ist eine durchaus notwendige und sinnvolle Erfindung der Natur. Indem unser Körper Schweiß absondert, schützt er sich selbst vor einer Überhitzung. An einem heißen Sommertag oder auch bei sportlichen Betätigungen ist es diese lebenswichtige Funktion, die die Körpertemperatur konstant bleiben lässt. Manchmal schwitzt man auch einfach ein wenig mehr, wenn man aufgeregt ist (emotionales Schwitzen), eine scharfe Suppe (gustatorisches Schwitzen) gegessen oder ein wenig Alkohol getrunken hat. Denn auch hier werden bestimmte Nervenfasern im Körper stimuliert, die zu einer verstärkten Schweißbildung führen. Funfact: Wusstest Du, dass Schweiß eigentlich geruchlos ist? Erst wenn der Schweiß etwas länger auf der Haut bleibt, kommt es zu dem unangenehmen Geruch: Die natürlich vorkommenden Haut-Bakterien zersetzen den frischen Schweiß und produzieren dabei den übelriechenden Geruch. Wenn die Produktion von Schweiß so stark zugenommen hat, dass Du in Deinem Alltag eingeschränkt bist, solltest Du der Ursache auf den Grund gehen.

Warum schwitze ich so viel bei geringer Anstrengung?

Falls auch Du betroffen sein solltest, hast Du Dir vielleicht schon mal die Frage gestellt, was für die starke Schweißbildung verantwortlich sein könnte. Bis heute sind die genauen Ursachen nicht sicher geklärt. Vermutet wird jedoch, dass das Nervensystem die Schweißdrüsen überstimuliert und diese folglich zu viel Schweiß absondern. Was diese Überstimulation auslöst, kann in einigen Fällen nicht sicher herausgefunden werden. Wenn die Ursache unklar bleibt, bezeichnet man diese Form der Hyperhidrose auch als primäre Hyperhidrose.

Bei der sekundären Hyperhidrose kann das verstärkte Schwitzen auf eine bestehende Grunderkrankung zurückgeführt werden. Die Liste der möglichen Ursachen ist lang: Schilddrüsenerkrankungen, Wechseljahre, neurologische Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen, rheumatische Erkrankungen, Infektionskrankheiten oder aber auch eine gefährliche Unterzuckerung (Hypoglykämien). Aber keine Panik! Eine Grunderkrankung ist deutlich seltener die Ursache. Wende Dich auch gern an unsere Hautfachärzt*innen in unserer digitalen Hautfachpraxis dermanostic per App. Unsere Expert*innen helfen Dir bei der Diagnosestellung und erstellen einen individuellen Therapieplan für Dich!

Achtung: Besondere Aufmerksamkeit solltest Du verstärktem Schwitzen mit Fieber in der Nacht schenken. Neben den eher harmlosen Wechseljahres-Beschwerden könnte es sich auch um eine ernsthafte Erkrankung handeln. Der Verdacht einer Tumorerkrankung sollte dringend abgeklärt werden.

Welche Arten der Hyperhidrose gibt es?

Eine Hyperhidrose muss nicht zwingend am gesamten Körper auftreten (generalisierte Hyperhidrose). In vielen Fällen kommt es nur an einzelnen Körperstellen zu einer vermehrten Schweißbildung. Bei der fokalen Hyperhidrose kommt es typischerweise an Achseln, Hand- sowie Fußflächen zu einer verstärkten Produktion von Schweiß. Einige Patient*innen klagen jedoch auch von krankhaftem Schwitzen am Kopf und im Intimbereich.

Je nachdem wie stark die Hyperhidrose ausgeprägt ist, können drei Stadien unterschieden werden:

  • Grad I - leichte Hyperhidrose: Deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit, Schwitzflecken von 5-10 cm Durchmesser am Hemd bei axillärer Hyperhidrose
  • Grad II - mäßig starke Hyperhidrose: Bildung von Schweißperlen, Schwitzflecken von 10-20 cm Durchmesser am Hemd bei axillärer Hyperhidrose
  • Grad III - starke Hyperhidrose: Schweiß tropft von den betroffenen Stellen ab, Schwitzflecken von mehr als 20 cm Durchmesser am Hemd bei axillärer Hyperhidrose

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Was verursacht den unangenehmen Geruch, der beim Schwitzen entsteht?

a)
Aus den Drüsen werden neben dem Schweiß auch Duftstoffe mit abgegeben, die für den Geruch verantwortlich sind.
b)
Der Schweiß erhält durch Hitze, wie zum Beispiel Körperwärme, seine unangenehme Duftnote.
c)
Der Schweiß wird nach Absondern durch Hautbakterien zersetzt und erst das verursacht dann das übelriechende Aroma.

Was kann man gegen übermäßiges Schwitzen tun?

Glücklicherweise gibt es einige gute Behandlungsmöglichkeiten, um dem vermehrten Schwitzen ein Ende zu bereiten. Hier kommt es jedoch ganz darauf an, wie stark der Befund ausgeprägt ist. Wir empfehlen Dir daher den Besuch bei Dermatolog*innen Deines Vertrauens. Sie können mithilfe bestimmter Tests das Ausmaß der Schweißbildung bestimmen. Deine digitale Hautarztpraxis dermanostic möchte Dir dennoch vorab ein paar Möglichkeiten erklären, die bei Hyperhidrose helfen könnten:

1. Ein paar Hausmittel für den Anfang?

Tatsächlich gibt es ein paar kleine Tricks im Alltag, die vermehrtes Schwitzen lindern können. Die wichtigsten für Dich im Überblick:

  • Salbeitee
  • Apfelessig
  • Luftdurchlässige Kleidung und atmungsaktive Materialien
  • Luftige Bettwäsche
  • Achselhaare entfernen
  • Scharfes und heißes Essen meiden
  • Alkohol meiden

2. Antiperspirantien mit Aluminiumsalzen

Ja, wir wissen, dass Aluminiumsalzen lange Zeit eine krebserregende Wirkung nachgesagt wurde. Bis heute gibt es dennoch keine ausreichend gute Studienlage, die diese These untermauern könnte. Die Wirkung der Aluminiumsalze lässt sich einfach erklären: Sie können zu einem Verschluss der Schweißdrüsen führen, was das Schwitzen in der Regel erheblich eindämmt. Dennoch sollte man die Deos und Cremes sparsam anwenden. Für all diejenigen, die dennoch auf Aluminiumsalze verzichten möchten, gibt es noch eine Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten.

3. Leitungswasser-Iontophorese bei übermäßigem Schwitzen

Strom und Wasser sollen helfen? Was auf den ersten Blick ein wenig gefährlich klingt, ist in Wahrheit eine lang bewährte effiziente und nebenwirkungsarme Therapieoption. Bei der Leitungswasser-Iontophorese können die Patient*innen ihre Hände und Füße in mit Wasser gefüllte Wannen legen. Zwischen den Wannen fließt dann ein Gleichstrom, der die Schweißbildung Schritt für Schritt reduzieren kann. Das gleiche könnte natürlich auch bei axillärer Hyperhidrose angewendet werden, was aufgrund der Wannenform jedoch nicht immer leicht umsetzbar ist. Um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, sollte man die Leitungswasser-Iontophorese am Anfang vier Wochen lang ca. 4-5-mal in der Woche für 10-20 Minuten durchführen. Leider halten die erzielten Erfolge nicht dauerhaft an, weshalb sich eine Fortsetzung der Anwendung über einen längeren Zeitraum empfiehlt. Um die Resultate beizubehalten, sollte die Anwendung nach den ersten vier Wochen etwa 1-2-mal / Woche fortgeführt werden.

4. Injektion von Botulinumtoxin A

Botox – der Alleskönner? Die Anwendung von Botox ist sehr vielfältig. Und tatsächlich zählt die Injektion von Botox zu einen der wirksamsten Methoden zur Behandlung von übermäßig starkem Schwitzen unter den Achseln. Der Vorteil: Meist sind pro Jahr nur 1-2 Anwendungen notwendig, um starkes Schwitzen merklich reduzieren zu können.

5. Zerstörung der Schweißdrüsen durch Wärme

Mittels verschiedener Methoden (Radiofrequenz, Mikrowellen, Ultraschall, Laser) können die Schweißdrüsen auch durch Wärme zerstört werden, was zu einem Verlust ihrer Funktion führt und folglich die Patient*innen weniger schwitzen lässt. Aber keine Sorge: Die Behandlung tut in der Regel nicht weh, da die betroffene Hautstelle zuvor ausreichend betäubt wird. Der Nachteil: Teilweise kann es auch zur Zerstörung anderer Hautbestandteile kommen, weshalb diese Therapie in der Regel im unsichtbaren Achselbereich durchgeführt wird.

6. Chirurgische Schweißdrüsenentfernung

Klingt verrückt, ist aber wahr! Tatsächlich können Schweißdrüsen auch aus der Haut entfernt werden. Mittels Laser oder einer Absaugtechnik werden Schweißdrüsenknäuel dabei selektiv abgetragen. Ob diese Therapieoption für Dich in Frage kommt, solltest Du mit Ärzt*innen vor Ort abklären.

7. Anticholinergika

Als ergänzende Therapie können auch die sogenannten Anticholinergika eingenommen werden. Es handelt sich hierbei um einen Wirkstoff, welcher eine entspannende Wirkung auf das Nervensystem hat und gleichzeitig zu einer Unterbrechung der Nervenimpulse führen kann. Einige erhebliche Nebenwirkungen sollten dennoch nicht ganz außer Acht gelassen werden: Mundtrockenheit, Herzrasen, aber auch Blasenentleerungsstörungen können bei Einnahme auftreten.

Welche der genannten Therapien für Dich persönlich in Frage kommt, solltest Du mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin absprechen. Ebenfalls könnte auch eine Kombination mehrerer Therapieansätze für Dich in Frage kommen. Wende Dich auch gern mit Deinen Hautproblemen an unsere Hautfachärzt*innen aus unserer digitalen Hautfachpraxis dermanotic per App! Unsere Expert*innen helfen Dir bei der Diagnosestellung und erstellen einen individuellen Therapieplan für Dich!

Wenn Du weitere Fragen hast, wende Dich gerne über unsere App, oder unsere Social Media Seiten an uns!

Madeleine Jandek

Verfasst von Madeleine Jandek

Madeleine Jandek ist bei dermanostic im Kommunikations- und Redaktionsteam für den medizinischen Support mitverantwortlich. Sie schließt bald den klinischen Teil ihres Humanmedizinstudiums an der Universität Ulm ab und möchte im Anschluss die Facharztausbildung zur Dermatologin beginnen. Bei dermanostic schreibt sie unter anderem Artikel über alle Themen rund um Haare, Haut und Nägel.