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Gesundheitsanwendungen: Ein Einblick in die Welt der DiGA und digitalen Plattformen

Ein Interview mit Dr. Alexandra Heidel

Gesundheitsanwendungen: Ein Einblick in die Welt der DiGA und digitalen Plattformen | Interview mit Dr. Alexandra Heidel

Johanna Vogel  19.05.2022

Eine Möglichkeit, Patient*innen einen Überblick über die vielen neuen digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen zu verschaffen, bieten Gesundheitsplattformen. Dort werden Informationen, wie zum Beispiel über Apps auf Rezept, auch Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) genannt, und andere nützliche Tools im Gesundheitswesen, für Patient*innen, Ärzt*tinnen und andere Beteiligte aufgearbeitet. Eine Expertin für Digitale Gesundheitsanwendungen – und insbesondere für Gesundheitsplattformen – ist Dr. Alexandra Heidel. Die Digital-Health-Expertin und Business-Development-Managerin bei der CompuGroup Medical (CGM) hat mit uns im Interview über die Rolle von digitalen Anwendungen und Gesundheitsplattformen im deutschen Gesundheitssystem gesprochen.

Kurz und knapp: wie unterscheiden sich DiGA von anderen Anwendungen, wie Health Apps oder Wearables?

DiGA sind ganzheitliche Therapieansätze per Web-Anwendung oder App zur begleitenden Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen. So gibt es heute schon DiGA zur Therapie von Panikstörungen, Erektionsstörungen, chronischen Schmerz oder digitale Diabetesmanagementprogramme. Anders als bei einfachen Health Apps oder Wearables können DiGA eben nicht nur dem reinen Datenerfassen dienen. Für DiGA gelten höchste Standards in puncto Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Nutzerfreundlichkeit, Datenschutz und Wirksamkeit. Sie sind nicht nur Medizinprodukte niedriger Risikoklasse nach europäischem Standard, sondern auch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf Herz und Nieren geprüft. Sobald eine DiGA ins sogenannte DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurde, erhält die Anwendung somit ihre Kassenzulassung. Das heißt, dass die Kosten der DiGA-Therapie komplett von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

Wie genau kann das Gesundheitssystem von digitalen Anwendungen profitieren?

DiGA helfen dabei Versorgungslücken zu schließen, indem sie beispielsweise die Wartezeiten auf Therapieplätze verkürzen. Gerade im Bereich der Psychotherapie ist die DiGA ein niederschwelliges Angebot professionelle Hilfe und damit den Zugang zu den etablierten Programmen zu erhalten. Außerdem helfen DiGA dabei die Therapietreue der Patienten zu erhöhen, indem der Alltagshelfer im Smartphone an Übungen erinnert und wichtige Lerninhalte einfach und verständlich übermittelt. Somit können auch unnötige Arztbesuche reduziert werden und Patienten übernehmen mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit.

Kann ein Teil der Gesundheits- und Pflegebranche vollständig von digitalen Anwendungen übernommen werden? Wenn ja, welcher? Wenn nein, warum nicht?

Ich denke, dass der Mensch und die menschliche Entscheidung immer im Mittelpunkt der Behandlung und Therapie stehen sollte. Auf den Mensch können wir also meiner Meinung nach erst einmal nicht verzichten. Die Rolle der Behandler wird sich aber maßgeblich ändern. So übernehmen Ärzte immer mehr und mehr die Rolle des Coachs. Vieles wird natürlich auch einfacher. Je mehr Daten wir im Alltag tracken können und dem Behandler zur Verfügung stellen, desto einfacher werden Fernbehandlungskonzepte. Der Besuch beim Arzt zur Kontrolle des Blutzuckertagesbuchs wird damit unnötig.

Was genau ist die Funktion und der Vorteil von einer Gesundheitsplattform wie Clickdoc für den Patienten?

Auf clickdoc.de können Patienten ihre Gesundheit selbstständig managen. Das heißt, es ist hier möglich verschiedene Behandler zu suchen und zu finden, Arzttermine vor Ort oder eine Videosprechstunde zu buchen. Zusätzlich dazu können Patienten sich im CLICKDOC Health Center über DiGA und mHealth Anwendungen informieren. Hier gibt es eine Übersicht aller DiGA sowie auch verschiedener Kassenangebote. Es gibt außerdem spannende Artikel zu verschiedenen Erkrankungen und deren Therapie mittels DiGA.

Gibt es einen Bereich in der Medizin, in dem Du noch großes Potenzial für digitale Anwendungen siehst?

Aktuell gibt es noch keine kardiologische DiGA, die Menschen mit Herz- Kreislauf-Beschwerden dabei hilft die empfohlene Therapie einzuhalten bzw. einen besseren Überblick über den eigenen Gesundheitszustand gibt und frühzeitig warnt, falls Werte jenseits der Norm liegen. Aktuell gibt es außerdem keine DiGA im Bereich der Hauterkrankungen oder zur Begleitung von Schwangeren. Es gibt noch so viele spannende Felder im Bereich DiGA. Die Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft und wir stehen hier noch am Anfang.

Was glaubst Du, welche Rolle spielen Gesundheits- und Pflegeanwendungen für uns in 30 Jahren?

In 30 Jahren sind Gesundheits- und Pflegeanwendungen schon ein alter Hut und gehören komplett zur Regelversorgung in ganz Europa. Personalisierte Medizin wird dann ganz normal für uns sein und Daten aus verschiedenen Sensoren und Anwendungen werden nicht nur eine genauere Diagnostik für den Behandler ermöglichen, sondern eine individuelle auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene Therapie erlauben.

Porträtfoto von Dr. Alexandra Heidel, Business Development Managerin CMG

Dr. Alexandra Heidel

Dr. Alexandra Heidel schrieb ihre Doktorarbeit zum Thema „Digitale Gesundheitsanwendungen in der Regelversorgung“ an der WHU- Otto Beisheim School of Management. Während ihrer Promotionszeit war sie unter anderem auch als Digital Health Expertin an der Universität tätig. Heute ist sie Business Development Managerin bei der CompuGroup Medical. In dieser Funktion hält sie häufig Vorträge über DiGA. Aus ihrer Dissertation sind mehrere Publikationen über Digitale Anwendungen und ihre Bedeutung für das Gesundheitssystem entstanden

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Johanna Vogel

Verfasst von Johanna Vogel

Johanna Vogel studiert im Master Kommunikationswissenschaft und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen. Bei dermanostic arbeitet sie in den Bereichen Presse und Kommunikation. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen Digitalisierung, eHealth und asynchroner Kommunikation und deren Bedeutung für Arzt und Patienten.