Wie funktioniert die elektronische Krankschreibung? Voraussetzungen, Umsetzung und Vorteile

Voraussetzungen, Umsetzung und Vorteile der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
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Was ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)?

Werden Arbeitnehmende krankgeschrieben, muss der Arbeitgebende bisher über die ärztliche Krankschreibung, mit Vorlage der bekannten gelben Bescheinigung, persönlich oder per Post informiert werden.

Die eAU soll Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber künftig entlasten: Die vom Arzt oder der Ärztin für die Arbeitsunfähigkeit (AU) des Arbeitnehmenden relevanten Daten sollen zukünftig über den digitalen Versand an die Krankenkasse übermittelt werden, woher der Arbeitgeber wiederum weitere Informationen zur Krankschreibung beziehen kann, um die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu registrieren.

Wie genau funktioniert die eAU? Umsetzung in zwei Schritten

Den ersten Schritt bildet die Konsultation des Patienten oder der Patientin in der Arztpraxis. Von dort aus wird die eAU – durch den Kommunikationsdienst im Medizinwesen, der Telematikinfrastruktur, an die zuständige Krankenkasse gesendet. Im zweiten Schritt stellt die Krankenkasse dem Arbeitgebenden die gemeldeten Informationen zum Abruf über eine gesicherte und verschlüsselte Datenverbindung bereit.

Der Versicherte oder die Versicherte erhält auch beim neuen Prozess zur Ausstellung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung weiterhin einen Nachweis über die Arbeitsunfähigkeit in Papierform.

Die Erstellung der eAU erfolgt durch das Elektronische Signaturverfahren mit einem hohen Sicherheitsniveau. Dazu müssen Ärztinnen und Ärzte wie auch Psychotherapeut*innen den elektronischen Heilberufsausweis in das Lesegerät stecken und eine PIN eingeben. [1]

Enthalten in der eAU sind Informationen zu:

  • Name der beschäftigten Person
  • Datum der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit
  • Beginn und Ende der Arbeitsunfähigkeit
  • Kennzeichnung als Erst- oder Folgemeldung
  • Grund der Arbeitsunfähigkeit [2]

Vorteile des elektronischen Verfahrens

Die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bietet Vorteile für alle Beteiligten, für Patient*innen, Ärzte und Ärztinnen, Krankenkassen und Arbeitgeber

  • Die eAU kann mit passenden technischen Voraussetzungen sicherer und schneller an den Arbeitgeber und die zuständige Krankenkasse zugestellt werden
  • Versicherte müssen weder Krankenkasse noch Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung selbst übermitteln
  • Der Digitale Versand minimiert Erstellungs- und Übermittlungskosten im Vergleich zum Postweg
  • Der Arbeitgeber kann die eAU unmittelbar abrufen, so dass der Krankenstand besser für die Arbeitsplanung berücksichtigt werden kann
  • Die Digitale Übermittlung ermöglicht eine zuverlässige und lückenlose Dokumentation bei den Krankenkassen, die für eine zeitnahe Zahlung von Krankengeld relevant ist. [3]

Wann wird die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingeführt und wann wird sie Pflicht?

Seit dem 1. Januar 2022 läuft bereits ein Pilotverfahren. Arbeitgeber die über die technischen Voraussetzungen verfügen, können die AU-Daten elektronisch abrufen. Zuvor hatte der Bundestag im Bürokratieentlastungsgesetz III bereits am 18. September 2019 die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beschlossen. Nach dem angesetzten Start am 1. Januar 2022, der aufgrund von technischen Problemen nicht eingehalten werden konnte, wurde der Einsatz der eAU auf den 1. Juli 2022 verschoben. [4]

Durch die Verlängerung von Sonderreglungen im Rahmen der Covid19-Pandemie und einer damit verbundenen Verzögerung der technischen Umsetzung, soll die Pilotphase der eAU bis zum 31. Dezember 2022 verlängert werden, so dass auch noch alte Verfahren, sprich der „gelbe Schein“, angewendet werden können. Diese Reglung wurde im Rahmen der Gesetzesänderung zur Verlängerung der Kurzarbeit beschlossen. Arbeitgeber sind so erst ab dem 1. Januar 2023 dazu verpflichtet, die AU-Daten erkrankter Mitarbeiter elektronisch bei deren Krankenkassen abzurufen.

Nicht nur Haus- und Facharztpraxen, sondern auch Zahnarztpraxen oder Krankenhäuser nutzen die elektronische Übermittlung. Ausgeschlossen sind dabei allerdings Reha- und Vorsorgeeinrichtungen. Privatversicherte und Patient*innen werden im Falle einer Erkrankung im Ausland bei der eAU aktuell noch nicht berücksichtigt. [5]

Inhalt

Verfasst von
Laura Siebertz
Porträt Laura
Laura Siebertz leitet die Presseabteilung von dermanostic und ist verantwortlich für die Fachredaktion der Rubrik Digital Health auf dem Unternehmensblog.

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